Du und ich - wir... oder doch nur ich allein?!

Joris schreit. Er hat Hunger. Mein Partner, einigen wir uns auf T., steht in der Küche, wirkt ziemlich entnervt. Schüttet Wasser vom einen Fläschchen ins Andere, heißes Wasser aus dem Wasserkocher dazu. Testet die Wärme indem er sich das Wasser über den Handrücken laufen lässt. Stellt fest, dass es noch viel zu warm ist. Gießt nochmal Wasser ab und füllt kaltes Wasser dazu. Joris schreit und kreischt mittlerweile lautstark. Milchpulver kommt mit ins Fläschchen. Die Hälfte landet nicht in, sondern um die Flasche herum und T. murmelt sich selbst zu "War ca. 'n Löffel. Schütten wir einfach was dazu."

STOP!

Vorher hab ich einfach nur beobachtet aber jetzt greife ich ein. "Du kannst doch nicht einfach Pi mal Daumen noch Pulver dazu schütten! Du weißt doch gar nicht wie viel genau daneben ging. Du musst das schon genau nach Anweisung machen, sonst ist Joris nachher gar nicht satt weil die Mischung nicht stimmte." T. schaut mich an und entgegnet "Wieso? Das passt doch ungefähr, das ist doch ungefähr ein Löffel, der daneben gelandet ist." Er guckt mich dabei mit einem Blick an der mehr als deutlich sagt ich sei zu pingelig und würde ihn zu sehr kritisieren. Diese Szene ist nur eine von Vielen, in denen ich nicht einfach zusehen kann und lieber selbst alles in die Hand nehme.
Für mich ist das Leben mit Kind schon lange Routine. Ich verbringe tagtäglich 13 Stunden mit meinem Sohn. T. hingegen ist tagsüber arbeiten und hat meist nur den Spätnachmittag und Abend mit seinem Sohn. Er ist viel weniger routiniert in den Tätigkeiten, die für mich so selbstverständlich sind. Dennoch neige ich dazu ihm die Aufgaben abzunehmen wenn ich Zuhause bin. Ich weiß ja, dass er das eigentlich problemlos hin bekommt (wenn man ihn nur machen lässt). 
Bin ich zu pingelig? Zu pedantisch und perfektionistisch? Oder will ich einfach nur das Beste für mein Kind?
Durch Kleinigkeiten wie diese entstehen bei uns öfter mal Meinungsverschiedenheiten, die eigentlich nicht sein müssten. Auf Dauer ist das für die Beziehung schon eine Belastungsprobe. Sollte ich meine eigenen Erwartungen vielleicht zurückschrauben? Oder ist das die Krankheit der Mütter? Klar weiß ich am Besten was mein Kind braucht und will. Aber nur weil ich diejenige bin, die sich den Großteil der Zeit kümmert. Joris' Papa ist wunderbar und kümmert sich genau so gut um den Kleinen wie ich aber hat natürlich nicht die gleiche Routine wie ich, da er nun einmal weniger Zeit mit seinem Sohn verbringt. Es fällt mir oft sehr schwer mir ins Gedächtnis zu rufen ihn einfach mal machen zu lassen. Ich musste anfangs ja auch lernen wie ich meiner neuen Aufgabe als Mutter gerecht werden kann. Wie das so läuft mit Kind. Das muss er wohl auch noch herausfinden.


Mutter, Vater, Kind. Eine Einheit, eine Familie. So denkt man. Manchmal fühle ich mich jedoch allein mit Joris gegen den Rest der Welt. Manchmal frage ich mich ob ich nicht lockerer sein sollte. Leichter gesagt als getan. You & Me. Mama und Papa für Joris, nicht nur Einer von beiden. 
Ein leicht verspäteter guter Vorsatz fürs neue Jahr: Gelassener sein. T. ist der beste Papa den ich mir für mein Baby hätte wünschen können. Anstatt ihn zu kritisieren sollte ich ihm einfach die Zeit geben sich in seiner neuen Rolle weiter zurecht zu finden. 

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